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 Ehemalige Herzogliche Papiermühle zu Bützow

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Die ''' Ehemalige Herzogliche Papiermühle zu Bützow''' (auch: ''Papierfabrik Bützow'') war eine ehemalige, im 16. Jahrhundert begründete und bis 1945 betriebene Papiermühle. Sie lag Vor dem Rühner Tor, außerhalb der einstigen Wallanlage der ehemaligen Bischofsresidenz und Universitätsstadt Bützow im Landkreis Rostock in Mecklenburg.

== Lage ==
Die Mühle entstand auf einer Sandlinse außerhalb des Stadttors '' (Rühner Tor) '' am Ufer|Südufer des Bützower Sees. Die Fläche in Seerandlage wurde durch einen Warnow (Fluss)|Warnowarm ''(Wallgraben)'' in 8 Meter breite durchquert. In östlicher Richtung befand sich das Suburbium des ehemaligen Bischofsburg (Bützow)# Slawische Fürstenburg am Hopfenwall|slawischen Burgwalls am Hopfenwall. Auf dem westlich angrenzenden Gebiet befand sich bis 1828 ein Friedhof (Bützow)# Kirchhof am Rühner Thor|Kirchhof.
== Geschichte ==
=== 16. bis 17. Jahrhundert ===

Der Typografie|Typograf Lucius hatte bei seiner Anstellung im April 1564 in Rostock zugesagt, schönes weißes Papier für seine Drucke zu verwenden, aber bei der Beschaffung muss er Schwierigkeiten gehabt haben, da ihm im Jahre 1574 vom Konzil in der Hochschule|Universitätskonzil vorgehalten wurde, dass er weder die Drucke für die Professoren schnell besorgte, noch das er reines, gutes Papier verwandte.

1585 wandten sich Rektor und Konzil der Universität Rostock an den Herzog Ulrich mit der Bitte, die Ratsherren von Bützow zu veranlassen, eine Papiermühle zu bauen. Der Landesfürst erinnert die Stadt Bützow daran, dass sie schon vor Jahren ihre Bereitwilligkeit zu solchem Bau ausgesprochen hatten, und verlangte schließlich im Dezember 1585 eine Antwort:
Am 9. März 1586 erteilte der Herzog das Privileg|privilegium zum Bau der Papiermühle. Mit Reskript des Herzogs erschien die Bedingung, dass die Papiermühle seinen Bützower Kornmühlen das Wasser nicht schmälern dürfe. Die Schwierigkeiten beim Bau einer solchen Mühle waren nicht sehr gering. Ein geeigneter Standort, d. h. Boden (Bodenkunde)|Grund und Boden mit geeignetem Fließgewässer|Wasserlauf mussten vorhanden sein. Aber sie wurde nicht, wie anfangs vorgesehen ''Bahnhofstraße (Bützow)|Vor dem Wolker Tor'' auf dem Grund und Boden der Stadt gebaut, sondern auf dem herzoglichen Domanium|Domanialland in der Nähe des Bützower Sees, da durch den Warnowarm auch ein ständiger Wasserzufluss mit entsprechendem Gefälle gesichert war. Die Herstellung des Papiers erfolgte mit Hilfe von wasserkraftbetriebenen Stampfwerken. Die Fragen der Baustoffbeschaffung mussten geregelt werden, und vor allem waren ein erfahrener Papiertechnologe|Papiermacher und entsprechende Arbeitskräfte nötig. Ebenso wurden geschickte Siebmacher (Handwerk)|Siebmacher und genügend Lumpensammler, die den Rohstoff für die Papierherstellung herbeizuschaffen hatten, benötigt. Diese Bedingungen wurden erfüllt, die Papiermühle zu Bützow konnte gebaut werden. Da ein Papierer kaum über die benötigten Finanzmittel verfügte, um eine Mühle zu errichten, wurde diese von dem Landesherren erbaut und in der Folge an einzelne Papiermacher verpachtet.

Schon um 1640 erschienen in den Akten immer wieder Klagen über die baulichen Verhältnisse und unzureichendes Wasser. Alle Papiermühlen haben starken Verschleiß; Wasserschaden war damals die Hauptgefahr. In den Herbst- und Winterstürmen bewegte sich das Wohnhaus gelegentlich so stark und machte einen lebensgefährlichen Eindruck, während zu anderen Zeiten die Feuerherren der Stadt den Zustand der Schornsteine immer wieder tadelten. Der Papiermüller und das herzogliche Amt gerieten häufig über die Erneuerung der Gebäude in Streit. Dadurch wechselten die Pächter sehr häufig. Um 1660 wurde die Papiermühle baufällig, worüber sich die Papierer noch 1685 energisch beschwerten. Erst gegen 1692 erfolgte die Instandsetzung der Mühle.
=== 18. Jahrhundert ===
Die Geschäfte gingen gut, denn die Rentenrechnung von 1689/99 weist den Eingang von je 50 Reichstaler als halbjährliche Pacht für die Papiermühle in Bützow nach. Der Papiermüller geriet unter Verdacht, sein Erzeugnis (Technik)|Fabrikat auszuführen, während die Kanzlei|fürstlichen Kanzleien nie genug Papier bekamen. Dem Pächter wurde per Reskript verboten, Papier auszuführen.
=== 19. bis 20. Jahrhundert ===
Im Jahre 1800 entschied sich Isaac Kramer
Die schwierigen Zeiten während der Koalitionskriege|napoleonischen Kriege erschwerten Investitionen, und die Landeskasse war leer. Letztendlich wurde die Papiermühle privatisiert durch einen Erbbaupacht|Erbbaupachtvertrag, bei dem das Land im Besitz des Landes blieb, aber die Gebäude und Ausrüstung dem Pächter gehörten. 1823 wurde die Papiermühle zum Verkauf angeboten, und der bisherige Pächter Kramer erwarb sie durch ein Angebot von 4000 Talern und Verzicht auf 1700 Taler an Baukosten. Als erster privater Besitzer investierte er in das Unternehmen, insbesondere in die Behebung des Wassermangels, der den Antrieb der Wasserräder beeinträchtigte. Der Papierfabrikant hatte sich jedoch mit den Investitionen übernommen, was dazu führte, dass Tilgung (Geldverkehr)|Tilgungsraten und Zins|Zinsen für die aufgenommenen Kredite seine Liquidität zunehmend einschränkten. Er konnte daher keine Mittel für eine längst fällige Dampfkesselanlage aufbringen, die den unproduktiven Pferdeantrieb ersetzen und den Betrieb wettbewerbsfähig machen würde. 1837 war der Konkurs nicht mehr zu vermeiden und die großherzogliche Kammer erwog, die Gebäude an die Justizvollzugsanstalt Bützow|Strafanstalt Dreibergen zu übergeben. Doch dann meldete sich der Papiermacher Heinrich Bleeck aus Hohen Sprenz als Interessent. Obwohl die wirtschaftliche Situation sich verbesserte und das Inventar vergrößert wurde, bot er nur die Hälfte des Kaufpreises von 1823 an. Trotz ihrer eigenen finanziellen Notlage stimmte die Landesregierung zu.

Auch Papiermüller Bleeck hatte anfangs Schwierigkeiten. Am 18. Oktober 1868 wurden sein Wohnhaus und Fabrikgebäude durch einen Brand zerstört. Doch er baute eine neue Maschinenpapierfabrik mit einer modernen Dampfkesselanlage, die das Unternehmen auf gleiche Höhe mit der Konkurrenz brachte. Der Wert seines Unternehmens steigt so stark an, dass Bleeck bei der Übergabe an seine Söhne Helmut und Ludwig im Jahr 1875 eine Hypothek von über 30.000 Talern aufnehmen kann, obwohl er 33 Jahre zuvor nur 2200 Taler für die Papiermühle ausgegeben hatte. Die Bedeutung der Papierfabrik unter den Brüdern Bleeck nimmt weiter zu. Es wird hauptsächlich Packpapier hergestellt, Altpapier wird zunehmend verarbeitet und die Produktion von Schreibpapier und Papier für den Buchdrucker wird eingestellt. Die Fabrik wird von Bränden in den Jahren 1900 und 1907 schwer beschädigt. Obwohl die Industriellen Neuerungen der Zeit für die Technik übernommen werden, bleibt der Ausbau und Umbau der Fabrikräume zunächst im Hintergrund. Aufgrund von Schwierigkeiten wird die Fabrik schließlich im Jahr 1917 für 750.000 Mark (1871)|Mark verkauft.
Die Stettiner Papier- und Pappenfabrik übernimmt das Unternehmen und bringt es 1921 mit einem Wert von zwei Millionen Mark in eine neue Aktiengesellschaft ein. Die ''Papierfabrik Bützow A.G.'' besteht zehn Jahre lang. Die Beschäftigung ist angemessen und eine große Belegschaft findet Arbeit, jedoch fehlt es an langfristiger Planung. Es wird nichts Wesentliches in Bauten oder Maschinen investiert, was für einen gesunden Betrieb essentiell ist. Es fehlt zudem an angemessener Arbeiterpolitik, das Streben nach reinem Profit dominiert. Im Jahr 1926 wurde die Fabrik erneut durch ein Feuer zerstört. Am 23. März 1931 kommt es schließlich zum Zusammenbruch.

Am 2. Oktober 1931 hat die Darmstädter und Nationalbank im Zwangsversteigerung (Deutschland)|Zwangsversteigerungsverfahren mit 94.150 Mark das höchste Gebot abgegeben und ihr Recht an Versicherungsdirektor Johann Rolzkamper in Bremen übertragen. Der Kaufpreis lag somit unter der Bewertung, die sechzig Jahre zuvor vorgenommen worden war. Ein neuer Anfang wurde geschaffen, zunächst erfolgte eine Aufklärung über die aktuellen Verhältnisse. Die Abteilung II. des Grundbuchs wurde geleert, wodurch das Eigentum der Stadt und veraltete Zahlungen, wie die für Krautungen in Mühlenbächen, die längst nicht mehr existierten, wegfallen. Die ''ehemalige herzogliche Papiermühle'' wird zur ''Papierfabrik Bützow G.m.b.H.'' umgewandelt. Für die Stadt ist es entscheidend, dass in einer Zeit der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit eine Belegschaft von hundert Arbeitern weiter beschäftigt werden kann. In technischer Hinsicht wird der Wandel durch die Berufung eines erfahrenen Fachmannes, Direktor Hans Roland, eingeleitet. Es wurden neue Fabrikräume gebaut, die praktisch und gesund sind, Maschinen wurden ergänzt und eine direkte Wasserverbindung wurde aufgenommen. Eine ausreichend tiefe Wasserrinne wurde durch den Bützower See gebaggert, um auch kleinen nordseebefahrenen Schiffen die Einfahrt zu ermöglichen. Der Absatz erfolgte nun wieder nach Asien, wie vor dem Ersten Weltkrieg. Die Anzahl der Beschäftigten stieg auf 150 und zeitweise wurde in drei Schichten gearbeitet.

Im Jahr 1936 wurde das 350-jährige Jubiläum in einer internen Feier mit positiven Zukunftsaussichten gefeiert. Doch dann brach der Krieg aus. Trotzdem wurden die damit verbundenen Aufgaben erfolgreich bewältigt.Nach dem Zusammenbruch gehörte die Papierfabrik zusammen mit drei anderen Bützower Betrieben zu denen, die auf Reparationen|Reparationskonto fielen und demontiert wurden.


Jugenstilvilla der Brüder Bleeck 1907.jpg|Jugenstilvilla der Brüder Bleeck 1907
Brand der Papierfabrik 1926.jpg|Brand der Fabrik von 1926
Belegschaft vor der Papierfabrik 1936.jpg|Belegschaft vor der Papierfabrik zum 350-jährige Jubiläum


== Papierherstellung in Bützow bis zum 18. Jahrhundert ==
Die Hader (Textilie)|Lumpen wurden gekocht, zerschnitten und kamen in das Pochwerk|Stampfwerk ''(deutsche Geschirr)''. Das bestand aus einem LöcherbaumEichenstamm von etwa 9 Meter Länge und der an der Antriebswelle|Mühlenwelle befestigten Hammer|Hämmern. Diese zerschlugen die Lumpen in den Löchern des Eichenstammes zu Faserstoff (Papierherstellung)|Halbstoff. Der Faserstoff wanderte dann in den Papierholländer|Holländer, dort entstandt zwischen der stehenden und beweglichen Welle der Ganzstoff. Der entstandene Papierbrei, wurde in die Bütte hineingeleitet. Dann schöpfte der Büttgeselle mit dem Schöpfsieb von diesem Brei und schüttelte Ihn geschickt, bis so etwas wie ein zusammenhängendes Blatt (''Büttenpapier|Handgeschöpftes Büttenpapier'') entstandt. Auf Filzlagen wurde dann der Papierbogen abgelegt. Beim Gautschen kamen die Filzstapel als Ganzes unter die Presse, dann lief der Hauptteil des Wassers ab oder wurde vom Filz aufgesogen. Der dann entstandene Papierbogen war aber noch ziemlich feucht. Die Bögen wurden dann auf Haarlinie|Haarlinien zum Trocknen aufgehängt, möglichst in frischer sauberer Luft. Danach kamen sie in den Leim|Leimbottich, damit die Oberflache glatt wurde, darauf wurden sie abermals getrocknet und schließlich Ries (Papiermaß)|riesweise Mengeneinheit für Papierbogen, historisch und je nach Papiersorte unterschiedlich definiert, meist 500 Bogen verpackt.

== Wasserzeichen ==
Zur Kennzeichnung der einzelnen Papiermühlen bzw.-fabriken wurden schon sehr früh Wasserzeichen eingesetzt. Um diese herzustellen, wird dem Schöpfsieb, in die der Papierbrei hineingegossen wird, entsprechend der Figur erhöht.
Im Bützower Papier wurde zunächst ein ''Adelswappen|adlich wapen'' verwendet. Später enthält das Herrenpapier den ''Adler'' und das Mittelpapier den ''Hirsch''. Danach kommt die ''Hollandia'', ''Amazone mit der Büttkrücke und dem Schwert in den Händen, den Löwen zur Seite, beide von Plankenwerk umgeben'', als Wasserzeichen der Bützower Produktion vor. Um 1800 werden auch die Initialen des Friedrich Franz I. (Mecklenburg)|Herzogs Friedrich Franz als ''FF im Wappenschild|Schild des Mecklenburg-Schwerin|Landeswappens'' verwendet.

== Pächter (Auszug) ==
In Bützow gab es im Laufe der Jahrhunderte vor allem Pächter, die sich unter schwierigsten Bedingungen eine Existenz schufen, jedoch häufig genug vor den Schwierigkeiten kapitulieren mussten.
* Andreas Kliforth (1615–1619)
* Jochim Hennings (1619–1623)
* Jacob Hennings (1623–1624)
* Jochim Bannitt (1624–1625)
* Lorenz Barß (1626–1634)
* Erdmann Barß (1634–1648)
* Nikolaus Arens (ab 1674)
* Johann Köhler(1685–1693)
* Elisabeth Köhler, geb. Rambow (''Witwe des Johann Köhler'') (1693–1694)
* Kunstmann (1694)
* Andreas Kaufmann (ab 1705)
* Jochim Kowalski (1717–1729)
* Friedrich Seidler (1743–1770)
* Gaebler (ab 1770)
* Lindner (ab 1789)
* Isaak Kramer (1800–1838)

== Literatur ==
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Kategorie:Geschichte der Stadt Bützow
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Kategorie:Papierherstellung
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