Limeswachturm zu PohlheimArtikelentwürfe

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 Limeswachturm zu Pohlheim

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Der '''Limeswachturm''' nahe Grüningen (Pohlheim)|Grüningen, gelegen in der Stadt Pohlheim, ist als Teil des Obergermanisch-Raetischer Limes|Obergermanisch-Raetischen Limes ein Zeugnis römischer Grenzbefestigungen in Hessen. Die Position des Turms bei Wp 4/49 (Posten 49 am Streckenabschnitt 4) ist durch Fundamente aus Stein charakterisiert, die die historische Architektur und Verteidigungsstruktur widerspiegeln. Eine Rekonstruktion, die 1967 unter Beteiligung der Heimatvereinigung Schiffenberg e. V., des Landes Hessen und der Stadt Pohlheim stattfand, zielte darauf ab, die militärarchitektonischen Merkmale des Limes zu rekonstruieren. Initiiert durch Robert Sommer, hat die Rekonstruktion die Bedeutung des Ortes für die historische Aufarbeitung und Bildung sichergestellt. Der Wachturm, als ein Element des UNESCO-Welterbes, steht heute stellvertretend für die Methodik und Bauweise der römischen Grenzsicherung.

== Geschichtlicher Hintergrund ==

=== Antike ===
Der frühere Wachturm ist ein Teil des Obergermanisch-Raetischen Limes, der während der römischen Kaiserzeit angelegt wurde, um die Grenzen des Römischen Reiches zu sichern. Der Bau des Limes begann unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) und wurde unter den Kaisern Trajan (98-117 n. Chr.) und Hadrian (Kaiser)|Hadrian (117-138 n. Chr.) wesentlich erweitert und verstärkt. Der Limesturm bei Grüningen, mit der Bezeichnung Wp 4/49, repräsentiert einen Abschnitt dieser beeindruckenden Grenzbefestigung, die sich über Hunderte von Kilometern erstreckte und das römische Territorium von den germanischen Stämmen nördlich davon abgrenzte.
Im 2. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit der größten Ausdehnung und Konsolidierung des Limes, wurde der Turm als Beobachtungs- und Signalposten errichtet. Diese Zeit fiel zusammen mit einer Phase relativer Stabilität an den Grenzen des Reiches, die jedoch immer wieder durch Konflikte mit germanischen Stämmen unterbrochen wurde. Die Grenze diente nicht nur als Verteidigungslinie, sondern auch als Kontrollmechanismus für den Handel und als Mittel zur Integration der eroberten Gebiete in das römische Wirtschafts- und Verwaltungssystem.
Der Wachturm bei Grüningen steht am nördlichsten Punkt des Limes und verdeutlicht somit eine signifikante strategische Positionierung des Römischen Reiches. Er verkörpert die Intention Roms, eine feste Grenze zu etablieren und zugleich ein wachsames Auge auf die benachbarten germanischen Stämme zu haben. Diese wechselhafte Beziehung zwischen den Römern und den Germanen, geprägt von diplomatischen, kommerziellen und militärischen Interaktionen, positioniert den Turm als Zeuge einer komplexen Grenzdynamik, in der die Stämme abwechselnd als Gegner und Verbündete auftraten.
Über die Jahrhunderte hinweg erlebte der Limes und mit ihm der Turm bei Grüningen verschiedene Phasen der Nutzung, des Ausbaus und der Rekonstruktion. Die fortschreitende Romanisierung der angrenzenden Gebiete und die damit einhergehenden kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen spiegeln sich in der Architektur und den Funden in und um den Turm wider.

=== Zeit der Rekonstruktion ===
Die moderne Rekonstruktion des Limesturms auf dem Sandberg bei Grüningen in der Stadt Pohlheim stellt ein signifikantes Projekt zur Bewahrung und Visualisierung römischer Militärarchitektur dar. Diese Initiative wurde maßgeblich durch die historische Forschung und das Engagement von Robert Sommer, einem Wissenschaftler und Direktor der psychiatrischen Klinik an der Universität Gießen, geprägt. Sommer, der bei seinen Untersuchungen in der Region auf den nördlichsten Punkt des Wetterauer Limes stieß, erkannte die kulturelle und historische Bedeutung des Standorts.
Um die fortschreitende Erosion und Überbauung des historischen Grenzwalls durch landwirtschaftliche Nutzung zu verhindern, erwarb Sommer ein ca. 3000 Quadratmeter großes Areal, das die Überreste des römischen Grenzwalles einschloss. Im Jahre 1912 initiierte er die Setzung eines Gedenksteins, bekannt als "Barbarenstein", zur Markierung und Würdigung des Limes als bedeutsames kulturelles Erbe.

Die tatsächliche Rekonstruktion des Wachtturms erfolgte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, angeregt durch die von Sommer mitbegründete Heimatvereinigung Schiffenberg e.V. Die Planung und Umsetzung des Rekonstruktionsprojekts wurden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Denkmalpflegebehörden und nach eingehender Beratung durch den damaligen Bodendenkmalpfleger des Kreises realisiert. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt durch das Land Hessen, der Stadt Pohlheim und durch erhebliche Eigenleistungen der beteiligten Vereine.

Die Arbeiten begannen Anfang 1966, und die feierliche Einweihung des rekonstruierten Turms fand am 28. Mai 1967 statt. Diese Rekonstruktion, die auf umfassenden archäologischen Untersuchungen und dem damaligen Stand der Forschung basierte, zielte darauf ab, die Struktur so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen. Die Ergänzung des Turms durch rekonstruierte Wall- und Grabenanlagen sowie einen Palisadenzaun vervollständigte die historische Szenerie und diente der bildungsgeschichtlichen Aufarbeitung der römischen Präsenz in der Region.
Die Errichtung des Limesturms und die damit verbundene landschaftliche Gestaltung trugen signifikant zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung des Limes als kulturelles Erbe bei. Die Installation einer Informationsstafel am Turm, die einen Überblick über den Verlauf des Limes und die spezifische Bedeutung des Standorts bietet, unterstreicht das Bestreben, den Turm als lehrreiches Denkmal für die regionale und römische Geschichte zu etablieren.

== Architektur des rekonstruierten Wachturms ==
Römische Wachtürme dienten als fundamentale Bestandteile des Limes und waren in regelmäßigen Abständen entlang der Grenzlinie positioniert, um eine optische Signalübertragung zu ermöglichen. Ursprünglich in Holzbauweise während der ersten Bauphase des Limes errichtet, erfolgte später der Übergang zu Steinbauten.
Der rekonstruierte Limesturm weist einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 6 Metern auf. Die Struktur erhebt sich auf eine Höhe von etwa 9 Metern und ist gekennzeichnet durch ein überhängendes Zeltdach. Eine umlaufende, mit einem Holzgeländer versehene Brüstung bietet einen repräsentativen Querschnitt durch die Bautechnik und Architektur der römischen Grenzbefestigungen. Die Nutzung von Steinmaterial entspricht der traditionellen Bauweise der in der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichteten festen Wachtürme.Durchgeführte Messung am 10. März 2024

== Siehe auch ==

* Limeswachturm Wp 3/26
* Limes (Grenzwall)

== Literatur ==

* Tafel am Limeswachturm zu Pohlheim: Heimatvereinigung Schiffenberg e.V.
* Jürgen Oldenstein (Hrsg.): ''Der obergermanisch-rätische Limes des Römerreiches. Fundindex Fundindex.'' Zabern, Mainz 1982, ISBN 3-8053-0549-4
* Egon Schallmayer: ''Der Limes. Geschichte einer Grenze.'' C. H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-48018-7
* Marcus Reuter, Andreas Thiel: ''Der Limes. Auf den Spuren der Römer.'' Theiss, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8062-2760-4

* https://www.giessener-allgemeine.de/kre ... 58440.html
* http://www.antikefan.de/staetten/deutsc ... limes.html
* http://www.taunus-wetterau-limes.de/ind ... chpohl.htm
* https://www.freizeit-mittelhessen.de/li ... lheim.html
* https://www.deutsche-limeskommission.de/



Kategorie:Bauwerk in Pohlheim
Kategorie:Aussichtsturm in Hessen

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