MerlinquelleArtikelentwürfe

Vorläufige Artikel
Guest
 Merlinquelle

Post by Guest »


Die '''Merlinquelle''' oder ''Schwarzbrunnenquelle'' ist eine Karstquelle im Berner Jura im Schweizer Kanton Bern. In der ergiebigen Quelle tritt das Felsgrundwasser aus dem östlichen Abschnitt der Chasseral-Antiklinale an die Oberfläche und ergiesst sich unmittelbar daneben in die Schüss. Von 1879 bis 2005 nutzten die Stadtwerke von Biel/Bienne|Biel den Quellaufstoss für die Versorgung der Agglomeration Biel mit Trinkwasser.

== Lage ==
Die Merlinquelle liegt auf Während der Entstehung des Faltenjuras und der besonders mächtigen Aufwölbungen der Chasseral- und Montozfalten schnitten sich die Fliessgewässer immer tiefer in die entstehenden Berge ein und schufen Bergsättel wie den Col de Pierre Pertuis|Pierre-Pertuis-Pass, enge klammartige Durchlässe wie die Taubenlochschlucht südlich von Frinvillier und grosse Klus (Tal)|Quertäler wie die zwei Kilometer lange Klus zwischen Péry|Reuchenette und Frinvillier, durch welche die Schüss über Kaskaden und den Wasserfall von Rondchâtel 60 Meter tief hinunterfliesst. Harte, gegen Erosion widerstandfsfähigere Schichten von Kalkstein|Malmkalk bilden bei Frinvillier eine schmale Lücke, die vor dem Bau der Kunststrasse im 19. Jahrhundert nur gerade so breit war wie das Flussbett.

Die Topographie am Engnis zwang die Erbauer der verschiedenen Verkehrsträger seit der Römisches Reich|Römerzeit zur Errichtung zahlreicher Kunstbauten. Der 480 Meter lange „Taubenlochtunnel 6“ der Hauptstrasse 6|Autostrasse A 6 durchschlägt die Felsrippe über der Merlinquelle. Von der alten Talstrasse am östlichen Flussufer führt eine Betonbrücke zum Gebäude mit der Quellfassung.

Unterhalb von Rondchatel nutzen mehrere kleine Wasserkraftwerke das starke Sohlgefälle der Schüss aus, die nahe der Merlinquelle an einem Stauwehr in den Kraftwerkskanal ''Canal de Concession'' abgeleitet wird. Der flache Talboden der Synklinale von Frinvillier zwischen der Les Echerts-Chaufat-Klus und dem Eintritt der Schüss in die Taubenlochschlucht besteht aus wenig durchlässigem Schwemmboden aus Lehm und Moräne des eiszeitlichen Rhonegletschers; 250 Meter nach der Merlinquelle mündet die Orvine in die Schüss.

== Einzugsbereich ==
Die Quelle entstand an der tiefsten, durch die Wirkung der Erosion in der Klus geöffneten Stelle in der Chasseral-Grenchenberg-Antiklinale. Das stark Karst|verkarstete Berggebiet entwässert weitgehend unterirdisch, und die wasserstauenden Felsschichten sind in der Klus durchschnitten; bei Rondchâtel befinden sich noch andere, kleinere Karstquellen. Mit Färbversuchen wurde das etwa 30 Quadratkilometer grosse Einzugsgebiet der Merlinquelle ermittelt, das im Westen die Landschaft der Les Prés d’Orvin|Prés d’Orvin bis zum Spitzberg (Schweiz)|Spitzberg und im Osten das Gebiet von Vauffelin umfasst.

Aus dem grossen Einzugsgebiet fliesst der Merlinquelle ständig Felsgrundwasser zu. Ihre Schüttung (Hydrologie)|Schüttung ist abhängig von den Niederschlägen und schwankt von 3'000 Minutenlitern in Trockenperioden bis zu 300'000 Minutenlitern nach heftigen Gewittern oder bei starker Schneeschmelze auf den Bergen. Die genaue Lage der durchströmten Klüfte und Höhlen im Bergesinneren ist mit Ausnahme des letzten von Höhlentauchen|Höhlentauchern untersuchten Abschnitts beim Quelltopf nicht bekannt.
== Trinkwasserfassung ==
Um 1870 suchte die Stadt Biel, die ihren Wasserbedarf seit Jahrhunderten aus der „Römerquelle“ am Jurasüdfuss decken konnte, wegen des starken Siedlungswachstums nach neuen Wasservorkommen. Sie kaufte von der Gemeinde Plagne BE|Plagne das Wasserrecht an der Merlinquelle und baute am Rand der natürlichen Austrittsstelle im Fels eine Wasserfassung ein, die 1879 in Betrieb genommen wurde. Durch eine etwa 2,5 Kilometer lange Leitung floss das Quellwasser rechts von der Schüss in das Reservoir „Mahlenwald“ bei Rebberg (Biel/Bienne)|Falbringen auf
Von der Schüttung der Merlinquelle konnte das Wasserwerk der Stadt Biel während Jahrzehnten durchschnittlich 9’500 Minutenliter beziehen, überschüssiges Wasser floss weiterhin in die Schüss. Im Jahr 1918 strömten dem Reservoir „Mahlenwald“ total 4'860'705 Kubikmeter aus der Quelle zu; die Römerquelle diente nun nur noch zur Speisung der öffentlichen und privaten Laufbrunnen in der Stadt.''Stadt Biel. Bericht des Gemeinderates an den Stadtrat betreffend den allgemeinen Gang und die Ergebnisse der Gemeindeverwaltung pro 1918,'' S. 162. In günstigen Jahren wie etwa 1951 konnte durch den Quellenkanal stets die maximal mögliche Wassermenge von 13'900 Minutenliter abgeführt werden. Die Stadt Biel bezog in diesem Jahr aus der Klus 7'160'200 Kubikmeter Trinkwasser.''Geschäftsbericht Gemeinderechnungen Statistische Chronik der Stadt Biel.'' 43. Jg., 1951, S. 46. Um 1960 liess die Stadt Biel die Wasserfassung an der Merlinquelle erneuern und mit einer Liste der Brücken über die Schüss|Brücke über die Schüss erschliessen. Ein farbiges Mosaik von einem unbekannten Künstler ziert die Fassade des Bauwerks.
Seit dem Bau der Grundwasserwerke Worben und Gimmiz bei Aarberg durch die Wasserverbund Seeland AG 1953 war die Stadt Biel nicht mehr allein auf Quellwasser angewiesen, und 1975 kam ein leistungsfähiges Seewasserwerk am Bielersee als Hauptlieferant für die regionale Wasserversorgung dazu. Damit konnte der Wasserbezug aus der Merlinquelle in ungünstigen Perioden eingeschränkt werden, wenn bei einer stark ansteigenden Schüttung Verunreinigungen durch Schwebestoffe von den Bergen auftraten. Bei den Färbversuchen stellte es sich heraus, dass das Grundwasser manchmal in einer Zeit von nur 17 Stunden das verkarstete Gebirge bis zur Quelle durchquerte. Weil offenbar feine Sedimentation|Sedimentschichten in den Klüften fehlen, werden die Fremdkörper im versickerten Wasser nicht herausgefiltert. Mikrobiologische Untersuchungen zeigten, dass Schadstoffe wie z. B. Bakterien und Viren von den Alm (Bergweide)|Sömmerungsweiden und den Ferienhaus|Ferienhäusern auf dem Berg ''Les Prés d’Orvin'' direkt in die Quellfassung gelangten; sie wurden im Reservoir Mahlenwald durch eine Behandlung des Wassers mit Chlordioxid unschädlich gemacht.

1976 betrug der Anteil der Merlinquelle am Wasserbezug der Stadt Biel mit täglich 10'000 Kubikmeter noch 22 Prozent. In diesem Jahr musste die Transportleitung wegen Ausbruchsarbeiten für den Taubenlochtunnel 6 zeitweise geschlossen werden.''Wasserverbund Seeland AG. Zwölfter Geschäftsbericht und Jahresrechnung über das Geschäftsjahr 1977/78.'' S. 11.

In einigen Jahren wie etwa 1986 war der Wasserbezug aus der Merlinquelle wegen schlechter Wasserqualität über längere Perioden nicht möglich.''Wasserverbund Seeland. Zwanzigster Geschäftsbericht und Jahresrechnung über das Geschäftsjahr 1985/86.'' Biel 1987, S. 4. Weil es nicht gelang, die Ursachen für die Beeinträchtigung des Wassers zu beseitigen, beschlossen die Stadtwerke von Biel 2005, die Quellfassung in der Frinvillier-Klus stillzulegen.
[https://www.esb.ch/de/geschaeftskunden/wasser/ Geschichte des Bieler Trinkwassers] auf '' esb.ch,'' abgerufen am 9. März 2024.

== Literatur ==
* Claudia Baumberger: ''Merlinquelle. Trinkwasser für Biel.'' Schriftenreihe der Burgergemeinde Biel ''Wald und Wasser'', Nr. 2. Ohne Datum.
* E. Renz: ''100 Jahre Wasserversorgung der Stadt Biel.'' In: ''Neues Bieler Jahrbuch,'' 1979, S. 74–90.
* Raymond Bruckert: ''La source Merlin.'' in: ''Jura Pluriel,'' Nr. 13. Moutier 1988.
* Lukas Hauber, Urs Pfirter: ''Erläuterungen zur Hydrogeologischen Karte der Schweiz 1:100'000. Blatt 4.'' Zürich 1992.
* ''Die Merlinquelle.'' Wasser- und Energiewirtschaftsamt des Kantons Bern. 1965.

* [https://www.map.apps.be.ch/pub/external ... anguage=de Lage der Merlinquelle] auf der interaktiven Gewässerkarte des Kantons Bern
* [https://www.diju.ch/d/notices/detail/6104 Merlinquelle] auf ''diju.ch,'' abgerufen am 9. März 2024.
*


Kategorie:Geographie (Kanton Bern)
Kategorie:Karstquelle in der Schweiz
Kategorie:Jura (Gebirge)
Kategorie:Flusssystem Zihl
Kategorie:Péry-La Heutte
Kategorie:Orvin
Kategorie:Sauge
Kategorie:Sauge
Kategorie:Geographie (Biel/Bienne)
Kategorie:Wasserversorgungsbauwerk in der Schweiz

Quick Reply

Change Text Case: